Gewinnspiel mit teuren Folgen

Vorsicht: Das BZ Beraterzentrum führt Gewinnspiele durch – um den Teilnehmern dann teure Sparpläne zu verkaufen.

Sandra Lustenberger (26, Name geändert) aus Zürich mag Wettbewerbe: So nahm sie im Herbst 2011 an der Züspa-Messe an einem Gewinnspiel des BZ Beraterzentrums teil. Kurz darauf erhielt sie mehrmals Anrufe eines BZ-Beraters mit der Bitte um einen Besuchstermin. Lustenberger sagte zu und liess sich während der Beratung erweichen: Sie schloss im November 2011 mit dem BZ einen Fonds- Sparplan ab – mit langfristigen Folgen: Die Laufzeit beträgt 30 Jahre. Die Funktionsweise solcher Fonds-Sparpläne: Der Sparer zahlt monatlich eine vereinbarte Summe in einen Fonds-Sparplan einer Bank, eines Geldverwalters oder einer Versicherung ein. Entwickelt sich der Fonds an der Börse positiv, gewinnt der Fondssparer – und umgekehrt verliert er. Eine einfache Internetrecherche hätte Lustenberger vor dem Abschluss bewahrt: Der «K-Tipp» warnte schon 2010 vor den teuren Sparplänen des BZ Beraterzentrums.

Traumrendite – aber im Vertrag nicht garantiert
Der BZ-Berater wickelte die in Geldfragen unerfahrene Physiotherapeutin mit einer abenteuerlichen «Modellrechnung » um den Finger. Er stellte ihr 8 Prozent Jahresrendite in Aussicht. Der Haken: Diese Rendite ist im Vermögensverwaltungsvertrag nirgends garantiert. Als sogenannte Erstanlage waren 2000 Franken fällig. Danach sollte Lustenberger monatlich 300 Franken einzahlen – bis zum Erreichen der Plansumme von 110 000 Franken im Jahr 2041. Zudem wurde gleich zu Beginn eine Ersteinzahlung von 5 Prozent dieser Plansumme fällig. Davon kassierte das BZ eine nicht rückerstattbare Einrichtungsgebühr: 3700 Franken. Hinzu kommt eine Verwaltungsgebühr des BZ von 1,6 Prozent pro Jahr. Falls der für das Sparen eingesetzte Fonds erfolgreich ist, zahlt Lustenberger zudem eine Gewinnbeteiligung auf den Fonds-Nettogewinn von 10 Prozent an das BZ. Doch das ist längst nicht alles: Der Fonds hat im letzten Geschäftsjahr dem Fondsvermögen indirekte Kosten von 1,3 Prozent verrechnet. Lustenberger: «Als ich die hohen Gebühren von gegen 3 Prozent pro Jahr im Juli 2012 bemerkte, habe ich dem Unternehmen sofort die Vollmacht über mein Swissquote-Depot entzogen und mein Geld zurückgefordert.» Marco Garzetti, Geschäftsführer des BZ Beraterzentrums, überlässt die Beurteilung der Höhe der Gebühren in einem Antwortbrief an Lustenberger «dem Urteil der Kundin».

Sparbatzen in riskante Fonds investiert
Das BZ investierte Lustenbergers Sparbatzen ausschliesslich in den Mischfonds Swiss Strategie – dynamisch. Doch der Name täuscht: Der Fonds hat seinen Sitz in Luxemburg und wurde in Euro aufgelegt. Er enthält je nach Marktlage divese Anteile an Obligationen, Aktien und Geldmarktanlagen. Der Fonds mit einem Euro-Wechselkursrisiko war im Jahr 2011 alles andere als ein Überflieger: Seine Kursentwicklung betrug minus 21,4 Prozent. Kommt hinzu: Der Fonds gehört zur Risikoklasse 6 – die Skala endet bei 7 («höchstes Risiko»). Lustenberger: «Dass der Fonds ein solch hohes Risiko aufweist, wurde mit keinem Wort erwähnt.» Garzetti begründet den riskanten Fonds im Depot mit dem langen Anlagehorizont. Ein Ausstieg aus dem Sparplan wäre ein grosses Verlustgeschäft für Lustenberger. Garzetti gibt offen zu: «Die vorzeitige Beendigung des Sparplans führt zu einer prozentual sehr hohen Belastung.» Tipp: Wer pro Monat nur wenige hundert Franken sparen kann, legt sein Geld besser auf ein gut verzinstes Sparkonto. Wer trotz höherer Risiken und Kosten Fonds-Sparpläne abschliessen will, sollte auf Pläne mit börsengehandelten Indexfonds (siehe K-Geld 2/12) setzen.

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