Freizügigkeit: Mit Zinskonten fährt man meist besser

Ein Vergleich von K-Geld zeigt: Wer sein Freizügigkeitsgeld in Fonds investiert, wird nur spärlich belohnt. Fondskonten der zweiten Säule erzielten in den letzten zehn Jahren kaum bessere Renditen als Zinskonten.

Wohin mit dem Pensionskassengeld? Diese Frage stellt sich allen Angestellten, die ihren Job für längere Zeit aufgeben – etwa für eine Weiterbildung oder eine Weltreise – oder weil sie arbeitslos werden. Es gibt aber auch andere Umstände, bei denen das Alterskapital – die sogenannte Freizügigkeit – neu angelegt werden muss. Das zeigt das Beispiel von Dora Bänziger (Name geändert) aus Luzern. Die Englischlehrerin hat ein reduziertes Pensum. Deshalb erreicht sie den Mindestjahreslohn von 20 880 Franken dieses Jahr nicht. Folge: Sie darf nicht mehr in die Pensionskasse einzahlen. Bänziger schreibt K-Geld: «Ich muss mein Alterskapital nun auf einem Freizügigkeitskonto parkieren.» Ihre Frage: «Soll ich die rund 6500 Franken auf ein Zinskonto bei der Anlagestiftung einer Bank einzahlen oder in Fonds an der Börse investieren?»

Grundsätzlich gilt: Sein Geld für den Ruhestand sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Fondsanlagen von Anlagestiftungen sind eher riskant, weil man keinen Anspruch auf Rückzahlung des vollen Freizügigkeitskapitals hat. Verliert der Fonds an Wert, hätte Bänziger im Ruhestand weniger Geld als vorher zur Verfügung. Bei einem Freizügigkeitskonto ohne Wertschriftensparen kann das nicht passieren. Hier vermehrt sich das Guthaben dank Zins und Zinseszins – fast ohne Risiko. Bänziger ist deshalb mit einem solchen Konto am besten bedient. Gut zu wissen: Die Anlagestiftung der Generali sowie die Bezirks- Sparkasse Dielsdorf und die Bank Brienz-Oberhasli zahlen mit 1,5 Prozent Zins aktuell die höchsten Sätze auf Freizügigkeitskonten. Zudem darf man Kontoguthaben jederzeit zu einer anderen Stiftung transferieren.

Geld wird oft nur kurze Zeit parkiert
Ein weiteres Argument für ein Zinskonto: Freizügigkeitsguthaben bleiben selten über viele Jahre hinweg parkiert. Albert Steck, Sprecher der Migros-Bank, sagt: «Rund ein Drittel unserer Kunden deponiert ihr Freizügigkeitsgeld bei uns weniger als zwei Jahre.» Investiert zum Beispiel ein Arbeitsloser sein Altersgeld in ein Fondskonto, heisst das beim Antritt einer neuen Stelle ein Jahr später: Er muss sein Guthaben zwingend in die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers einbringen. Bei schlechter Börsenlage muss er seine Fondsanteile zu einem ungünstigen Kurs verkaufen. Das kann ins Geld gehen. Hätte der Arbeitslose Anfang 2008 eine Summe von 100 000 Franken in den Freizügigkeitsfonds BVG 3 Oeko 45 von Swisscanto investiert, hätte er bei einem Zwangsverkauf Ende 2011 nur noch 87 690 Franken zurückerhalten. Sein Verlust: über 12 000 Franken. Auf einem Zinskonto hätte er in derselben Periode im Schnitt 2 Prozent Zins pro Jahr erhalten. Aus den 100 000 Franken wären somit innert vier Jahren 108 240 Franken geworden. Bei der Fondslösung kommt hinzu: Der Anleger kann nur aus einer kleinen Zahl Fonds auswählen. Er zahlt zudem Jahr für Jahr die bei Fonds üblichen Verwaltungskosten. Es braucht also unbedingt einen langjährigen Anlagehorizont, um an der Börse langfristig höhere Erträge zu erzielen als auf Zinskonten. Das zeigt ein vom VZ Vermögenszen-trum für K-Geld erstellter Renditevergleich (siehe Tabelle): Wertschriftenkonten der zweiten Säule rentierten seit Anfang 2002 bis Mitte 2012 nur minim besser als Zinskonten. Im Schnitt fuhren die Wertschriftendepots in den letzten zehn Jahren jeweils 1,92 Prozent Rendite pro Jahr ein. Auf den Freizügigkeitszinskonten betrug die durchschnittliche Rendite 1,88 Prozent – nur 0,04 Prozentpunkte weniger. Fazit: Fondsanleger wurden wegen der Finanz- und Bankenkrise für ihr höheres Verlustrisiko kaum belohnt. Wer auf den falschen Fonds setzte, hat nach Abzug der Teuerung sogar Geld verloren. Mit dem UBS-Fonds Vitainvest 50 World zum Beispiel fuhr ein Anleger klar schlechter als mit einem Zinskonto: Der Vitainvest rentierte über zehn Jahre nur mit 0,89  Prozent pro Jahr.

Ein hoher Aktienanteil birgt Gefahren
Glück hatten Anleger mit dem Fonds Mixta-BVG Basic der CS. Er erzielte seit Anfang 2008 eine jährliche Rendite von über 3 Prozent. Hauptgrund: Der Fonds enthält keine Aktien. Die Leistung wurde also nicht durch gesunkene Kurse belastet. Dank Investments in Immobilien und festverzinsliche Anleihen bescherte er dem Anleger gute Erträge. Wer hingegen auf Fonds mit hohem Aktienanteil setzte, wurde bestraft: Der Swisscanto- Fonds BVG 3 Oeko mit 45 Prozent Aktien bescherte dem Anleger seit Anfang 2008 pro Jahr eine Negativrendite von 3,23 Prozent. Fazit: Sparer sollten sich bei der Wahl zwischen Zins- und Fondskonten über den Zeithorizont ihrer Anlage in der zweiten Säule klar werden. Nur wer sicher weiss, dass er sein Geld für viele Jahre parkieren muss oder will, sollte Fondskonten in Erwägung ziehen.

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