Wer sein Wertschriftendepot zu einem günstigeren Finanzinstitut transferieren will, muss die «Zügelkosten» bei der bisherigen Bank beachten. Denn ein Gebührenvergleich von K-Geld zeigt: Ein Wertschriftentransfer kostet rasch über 1000 Franken.
Anfang Jahr erhalten Wertschrifteninhaber die Depotauszüge ihrer Bank. Anton Breitenstein (Name geändert) aus Au ZH erhält seinen Depotauszug von der Credit Suisse sogar vier Mal im Jahr. Er ärgert sich daher gerade mehrmals über die Schreiben seiner Hausbank: «Ich zahle Jahr für Jahr rund 200 Franken Gebühren für mein Depot im Wert von rund 80 000 Franken. Und das, obwohl ich meine Aktien langfristig im Depot liegen lasse und gar nicht damit handle.» Breitenstein fragte die K-Geldberatung deshalb an, wie er seine Depotgebühren minimieren könnte. Die Antwort scheint nur auf den ersten Blick einfach: Beim CS-Konkurrenten Postfinance fallen beispielsweise keine Depotgebühren an. Aber: Die CS fesselt ihre Kunden mit hohen Transferkosten ans Unternehmen. Breitenstein betont: «Ein Umzug meines Depots zu E-Trading von Postfinance würde mich teuer zu stehen kommen.» Grund: Die Credit Suisse kassiert neben Depotgebühren auch noch Spesen für die Auslieferung der Wertschriften. Aber auch Inhaber von Wertschriftendepots bei anderen Banken müssen einen Wechsel zur Konkurrenz teuer bezahlen. Das zeigt ein Vergleich der Transferkosten für zwei Musterdepots bei elf namhaften Banken. Zwischen 50 und 120 Franken verlangen die untersuchten Banken für den Transfer einer einzelnen Position, also beispielsweise für die Anteile eines Fonds oder für einen einzelnen Posten Aktien. Am teuersten kommt der Umzug der Musterdepots bei Credit Suisse, VZ Depotbank, UBS und Migros Bank zu stehen. Bei ihnen zahlt man für den Transfer eines Depots mit 5 beziehungsweise 14 Positionen 540 bzw. 1512 Franken (siehe Tabelle).
Günstig: Swissquote, Keytrade und Postfinance
Am wenigsten verlangen die drei Anbieter Swissquote, Keytrade und Postfinance. Für den Transfer der beiden Musterdepots stellen sie 270 Franken bzw. 756 Franken in Rechnung. Die Gebühren gestalten sich unabhängig vom Wert der Anlagen. Entscheidend ist die Anzahl der Positionen im Depot. Richtig ins Geld geht deshalb ein Bankwechsel, wenn der Kunde eine Vielzahl verschiedener Aktienpositionen und Fondsanteile hält. Bestraft werden beim Wechsel somit besonders Anleger, die ihr Depot stark mit verschiedenen Fonds und in- sowie ausländischen Titeln diversifiziert haben. Um die Kosten zu senken, können folgende Tipps helfen: Wer sowieso gewisse Depotpositionen umschichten will, kann diese Titel noch bei der alten Bank verkaufen. Mit dem Ertrag kann man dann bei der neuen Bank neue Wertschriften kaufen und so die Transferkosten sparen. Wer ein grosses Wertschriftendepot im Wert von mehreren Hunderttausend Franken zügeln will, sollte bei der zukünftigen Bank fragen, ob sie die aktuell an – fallenden und auch die zukünftigen Transferkosten von Wertschriften übernimmt. Recherchen von K-Geld zeigen: Solche Kosten sind je nach Dauer der Kundenbe – ziehung und Kontostand verhandelbar – besonders bevor man das neue Bankkonto und Depot eröffnet.
Immerhin: Die Schliessung von Bankkonten bei der alten Bank ist in der Regel Depotwechsel: Je mehr Positio Wer sein Wertschriftendepot zu einem günstigeren Finanzinstitut transferieren will, muss die «Zügelkosten» bei der bisherigen Bank beachten. Denn ein Gebührenvergleich von K-Geld zeigt: Ein Wertschriftentransfer kostet rasch über 1000 Franken. Bankkunde: Hohe Gebühren beim Wechsel des Wertschriftendepots zu einer andern Bank K-Geld 3/2012 13 A K T U E L L kostenlos. Von den elf befragten Banken erheben nur die Bank Coop, die VZ Depotbank und die Raiff eisenbanken Saldierungsgebühren. Bei den Raiffeisen banken kostet die Kontoauflösung 15 Franken, bei der Bank Coop und bei der VZ Depotbank zahlt man 10 Franken für die Schliessung eines Privatkontos oder eines Kontokorrents. Wer neben dem Depot auch seine Konten zügeln will, sollte sich genau überlegen, welche Leistungen er benötigt und einen gewissen Zeit- und Organisa – tionsaufwand einkalkulieren. Auch Daueraufträge und Lastschriftverfahren sowie E-Rechnungen müssen aufs neue Konto übertragen werden. In der Regel unterstützt einen die neue Bank in Form von Formularen, die nur ausgefüllt und an die entsprechenden Empfänger verschickt werden müssen. Das alte Konto sollte erst aufgelöst werden, wenn alle Zahlungseingänge, Daueraufträge und Lastschriftverfahren aufs neue Konto übertragen worden sind. Dasselbe gilt für Maestround Kreditkarten. Der Kunde sollte sie erst dann vernichten, wenn er die Karten der neuen Bank erhalten hat. Anton Breitenstein ist übrigens bei der teuren CS geblieben. «Ich hatte Angst, dass ich bei der Erneuerung meiner Hypothek schlechter fahren würde.» Die Banken kennen halt auch noch andere goldene Fesseln.
Depotwechsel (Artikel als PDF mit Tabelle)