Die Verflechtungen und Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft haben stark zugenommen. Die Kapitalmobilität hat sich erhöht. Börsenturbulenzen und Währungskrisen gefährden das globale Finanzsystem. Der Volkswirtschaftsprofessor Gerhard Aschinger geht diesen Phänomenen auf den Grund.
In den neunziger Jahren häuften sich Finanz- und Währungskrisen. Sie nahmen mit der Ostasienkrise ein bisher nicht gekanntes Ausmass an. Die Turbulenzen im asiatischen Wirtschaftsraum zogen auch Russland und Brasilien in Mitleidenschaft. Mit der Globalisierung der Wirtschaft, die von einem rasanten technologischen Fortschritt in der Computer- und Kommunikationstechnologie getragen wurde, haben die Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft stark zugenommen. Die Finanzmärkte sind weitgehend globalisiert (vgl. Graphik). Neue Finanzmarktinstrumente (Derivate), die Deregulierung (Abbau von Marktbarrieren), die Zunahme der Kapitalmobilität sowie die Reduktion der Transaktionskosten im Laufe der technologischen Entwicklung führten zu einer starken Effizienzsteigerung der Finanzmärkte. Die Integration der nationalen Finanzmärkte hat die internationale Übertragung von Informationen und Störungen beschleunigt. Die Globalisierung der Finanzmärkte hat damit auch das Risiko einer weltweiten Finanzkrise erhöht.
Der Börsenkrach von 1987 gab Gerhard Aschinger den Anstoss für sein Buch „Börsenkrach und Spekulation“. Das Werk stiess beim Fachpublikum auf grosses Interesse. In einem zweiten Buch, das bald veröffentlicht wird, setzt er sich mit der Analyse der aktuellen Finanz- und Währungskrisen auseinander. In seinen ökonomischen Analysen versucht der Volkswirtschaftsprofessor Aschinger den komplexen Ursachen von solchen Finanzkrisen auf die Spur zu kommen. Mit Hilfe von retrospektiven Aktienmarktanalysen, der „Katastrophentheorie“ und der „Theorie der spekulativen Blasen“, versucht er, die für den Laien oftmals irrational erscheinenden Geschehnisse an den Finanzplätzen, zu erklären. Grundsätzlich unterscheidet Aschinger zwischen informationsbedingten und spekulativen Finanz- und Währungskrisen. Diese unterteilt er weiter in einzelwirtschaftliche- und gesamtwirtschaftliche Krisen. Aschinger betont, dass solche vereinfachenden Schematisierungen den komplexen Vorgängen nicht gerecht würden, sie dienten aber oft als hilfreiche Orientierung. Die Faktoren, die einen Börsencrash oder eine Währungskrise begünstigen oder auslösen können, sind nach Ansicht von Aschinger zahlreich: exzessive spekulative Verhaltensweisen (Spielermentalität), massenpsychologische Effekte, Korruption, mangelhaftes Risikomanagment sowie ungenügende Börsenaufsicht sind nur eine kleine Auswahl aus einer breiten Palette. Aschinger belässt es aber nicht nur bei tiefgründigen Analysen, er bietet auch Lösungswege an, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Seine Vorschläge haben zum Ziel, die „supereffizienten Finanzmärkte“ zu stabilisieren. Zu Spekulationen über bevorstehende Währungskrisen, Börsenturbulenzen oder die Entwicklung der Aktienmärkte im allgemeinen lässt er sich aber nicht verleiten: „Als Wissenschaftler überlasse ich es anderen, in die Kristallkugel zu schauen“.
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Gerhard Aschinger studierte an der Universität Zürich zuerst Mathematik und dann Wirtschaftswissenschaften. Beide Studien wurden mit dem Lizentiat und dem Doktorat abgeschlossen. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt an der Yale University habilitierte er sich 1981 in Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel. Seit 1984 lehrt er an der Universität Freiburg als Ordinarius für Volkswirtschaftslehre. In den folgenden Gebieten hat Gerhard Aschinger wissenschaftliche Artikel und Forschungsbeiträge erstellt: Militärökonomie, Wechselkurstheorie, Industrieökonomie, Theorie des internationalen Handels, Finanzmarkttheorie, Börsenkrach und Spekulation, Finanz- und Währungskrisen, Währungsunion (EWU und EURO). Zur Zeit arbeitet Prof. Aschinger an einem Buch über Finanz- und Währungskrisen, welches die aktuellen Krisen in Ostasien, Russland und Brasilien untersucht und diese ökonomisch analysiert.